Donnerstag, 12.10.2000 - Heimfahrt - von Ponferrada nach Bordeaux

Koffer packen, es geht heimwärts! Der Himmel ist traurig, ab und zu regnet es. Beim Frühstück informiert uns Beatrix: "In Spanien ist heute Nationalfeiertag." Jetzt sind wir uns alle wieder einig, wir werden uns San Sebastian nicht mehr ansehen, sondern durchfahren bis Bordeaux. Toni geht schnell noch zur Templerburg einige Aufnahmen machen. Manfred fährt mit seinem Team schon mal los. Er muss noch etliche Hotels aufsuchen, in denen wir übernachtet haben. In seinem Koffer fehlt so einiges!

Wir fahren Richtung Astorga León. Auf den Feldern wird gearbeitet; trotz Feiertag: Weinlese! Regina macht mich aufmerksam auf die Kathedrale von Astorga. In der Ferne kann man sie gut erkennen. Immer wieder begleitet uns rechts oder links der Straße unser Pilgerpfad. Es fällt mir schwer, im Auto zu sitzen. Ich habe Lust auszusteigen, die Sonne lockt mich auf den Weg. Ich kann gut verstehen, dass es Leute gibt, die den Weg auch ein zweites Mal gehen.

Villadangos - Kirchturm Wir fahren durch Villadangos. Dort haben wir in der Santiago Kirche die Bremer Wandersleute getroffen. Der Pfarrer hat uns die Reliefs auf dem Portal seiner Kirche erklärt und uns aufmerksam gemacht auf die Darstellung Santiagos als Maurentöter, die im Zentrum des Retabels steht. 4 Storchennester sind auf dieser Kirche! Ich halte sie für gewagte Konstruktionen. Ob sie Stürmen und Winden standhalten können? Freund Adebar wird es wohl besser wissen. Das Glockengeläute scheint ihn auch nicht zu stören.

An der Straße sehen wir immer wieder Hinweisschilder: Camino de Santiago. Ich denke, mit dem Auto kann man den Jakobsweg nicht kennenlernen. Man muss ihn mit den Füßen, mit allen Sinnen entdecken und erleben, muss Sonne, Regen und Wind gespürt haben, Hunger und Durst ausgehalten haben (wenn auch nur kurzfristig), man muss staunen und sich freuen über einen Schluck Wasser von der Quelle, über eine Blume am Wegesrand. Schmerzende Knochen, ein paar Blasen an den Füßen und noch vieles mehr machen den Zauber des Camino aus.

Auf der linken Seite begleitet uns das Kantabrische Gebirge. Wir fahren vorbei an der Brücke von El Burgo, wo unsere Autos standen. Trauben werden geerntet wie schon vor Tagen. Gert ist uns dort mit dem Auto entgegengekommen, aber alle haben seine Hilfe verschmäht. Akazien, Platanen oder Pappeln markieren den Pilgerpfad, den wir immer wieder sehen können. San Nicolás liegt an unserer Fahrstrecke. Im Refugio von Ledigos haben wir die brasilianische Pilgergruppe getroffen. Und dann diese unendliche Weite; Carrión; die Kilometer fliegen an uns vorbei. In einer Gaststätte am Weg kehren wir ein zum Mittagessen. Manfred hat uns geortet und trifft zu uns. Er hat sie wieder seine Schuhe aus Astorga und sein Kopfkissen aus Mansilla! Toni meint, jetzt könnte Manfred beruhigt nach Hause fahren. Wenn Ilona seinen Koffer auspackt, kann er getrost sagen: "Siehe da, ich habe alles wieder mitgebracht, was du mir eingepackt hast." Ja, wer den Schaden hat In der Gaststätte spürt man den Feiertag. Am Nachbartisch macht es sich eine Großfamilie bequem. Schade, ich sitze mit dem Rücken zu ihnen, gerne würde ich sie beobachten. Regina zählt und berichtet: Es sind 5 Kinder, 1 Oma, 1 Opa, 2 Mamas, 2 Papas. Um 15.00 Uhr fahren wir weiter. Ein Wegweiser zeigt nach Castrojeriz. Ein Schäfer ist mit seiner Herde unterwegs auf den Feldern. Was finden die Schafe noch zum Fressen auf diesen Stoppelfeldern? Ich lese: Tardajos, Rabé de Las Calzadas, vorbei an Burgos, Erinnerungen! Jetzt müssen wir eine andere Richtung einschlagen, nach Nordosten geht die Fahrt zum Kantabrischen Gebirge, das sich dunkel am Horizont abzeichnet. Adios Camino bis zum nächsten Jahr!

Es fängt wieder an zu regnen. Schroffe Berge, Felsen, Tunnels, Regen! Bilbao, Euskadi, das Land mit den zungenbrecherischen Namen, San Sebastian. Ein kurzer Blick zum Meer, vor uns ist der Himmel schwarz wie die Hölle, hoffnungsvoll ein Regenbogen! Jetzt sind wir in Frantzia. Dunkle, drohende Wolken am Firmament. Wir haben noch über 200 km zu fahren! Sicher, zuverlässig und gelassen fährt Walter hinter dem St. Wendeler Opel her. Keine einfache Fahrt in der Dunkelheit, über unbekannte Straßen und durch den Regen! Per Handy hören wir von Manfred, dass er mit seiner Crew bereits im B+B Hotel südlich von Bordeaux eingetroffen ist. Ca. 22.00 Uhr auch wir haben es geschafft. Im Hotel, das uns ohne jegliches Personal empfängt, belegen wir mit Code Nr. unsere Zimmer. Zum Essen treffen wir uns mit der Vorhut im Western-Restaurant Buffalo Grill. So "heiß" wie die Kleidung der Bedienung ist auch Buffalos Grill; mein Fleischspieß ist auf einer Seite ganz verbrannt. Ich beneide Regina um ihr einfaches Käsebrot.

Brigitte

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